Blog | robert sigl - film director

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Laurin

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Hepzibah aka: The Village

07.06.2020 - Gedanken in der Pandemie 14

Wer kennt Robert Sigl? Vermutlich viel zu wenige von Euch, die jetzt lesen. Denn Sigl ist einer der großen Unbekannten des deutschen Kinos, und das selbstredend zu Unrecht. Jetzt hat der Münchner Regisseur einen schönen witzigen stillen Kurzfilm gemacht. Er heißt „Coronoia“, und steht auf YouTube.

Das ist eine gute Gelegenheit, um nachdrücklich auf Sigl Regiedebüt hinzuweisen. Es heißt „Laurin“ und hätte es damals die verdiente Aufmerksamkeit bekommen – die deutsche Filmgeschichte wäre anders und vermutlich besser verlaufen. 

Aber hätte es Roman Polanski in Deutschland zum Filmregisseur gebracht, oder wäre er Theaterintendant geworden? Und David Lynch? Solche Fragen stellt man sich angesichts der Karriere von Sigl und dessen Debütfilm „Laurin“, der erst mit bald 30-jähriger Verspätung 2018 wiederentdeckt wurde. Dabei waren Sigl und sein Film für einen kurzen Augenblick im Scheinwerferlicht: Im Januar 1989, als es den „Bayerischen Filmpreis“ für den besten Nachwuchsfilm gab. 

Sigl, Jahrgang 1962, war bereits 1987 Absolvent der Münchner HFF und immerhin finanzierte die ARD seinerzeit einen veritablen Horrorthriller wie diesen – eigentlich hätte er durch diesen Film zum neuen Regiestar werden müssen, in einer Zeit, als das deutsche Kino weitgehend darniederlag. Die Geschichten die Sigl dann erlebte, erzählen alles über die provinzielle Borniertheit und Ignoranz der hiesigen Filmszene: Bei den Hofer Filmtagen lehnte Heinz Badewitz den Film mit dem schrägen Argument ab, damit würde Sigl „sich selbst schaden“, der Produzent ließ die Filmnegative komplett vernichten. Was für ein absurder Akt vom deutschen Kinoselbsthass. 

Und noch im Januar 2018 behauptete eine Berliner Zeitung, „Laurin“ sei „die einzige Regiearbeit“ Sigls, obwohl ein Blick in imdb.com genügt hätte: Denn nach dem reservierten Umgang mit „Laurin“ hat Sigl die meisten seiner Filme und Fernsehserien im Ausland gedreht, in Polen, in Kanada und den USA. Oder im Parterre-Segment der deutschen Sender: „Alarm für Cobra 11“, „Aktenzeichen XY“, aber eben auch „Zeig keine Angst“ (1999) und „Das Mädcheninternat: Deine Schreie wird niemand hören“ (2001). Aber keine Frage: Eigentlich müsste Robert Sigl ein Star sein. Er könnte, mit besseren Drehbüchern und anderer Förderpolitik, ein deutscher David Lynch sein, statt der Beweis, dass man hierzulande auch David Lynch vom Film-Hof jagen würde. So aber ist er im Ausland bekannter als hier, wo er nur an B- und C-Ware ’rangelassen wird. 

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Dabei verbindet „Laurin“ Märchenmotive mit subtiler Poesie, und Einflüssen europäischen Horrorkinos von Roeg bis Argento. Im Zentrum seht steht ein junges Mädchen im 19. Jahrhundert, in dessen Dorf ein Serienmörder umgeht. Zugleich wird sie, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht, von ahnungsvollen Albträumen gequält – offenbar hat Laurin das „zweite Gesicht“. Also versucht sie selbst, den Mörder zu finden …

All das erinnert beispielsweise an Neil Jordans „Zeit der Wölfe“, auch an Sigls erklärtes Vorbild Polanski. Und eben an David Lynch. Die Atmosphäre ist modern zweideutig und lyrisch – wie in „Twin Peaks“. Ein Kleinod deutschen Filmschaffens. 

“Laurin“ ist auch einfach ein schöner Film. Die DVD/Blu-Ray könnte man sich vielleicht gerade noch zu Ostersamstag bestellen. Sie ist prachtvoll ausgestattet und enthält sehr umfangreiches Bonusmaterial. Eine großartige Leistung des Verleihs „Bildstörung“. Neben einem Audiokommentar des Regisseurs gibt es auch dessen HFF-Kurzfilm „Der Weihnachtsbaum“, eine TV-Dokumentation über Sigl von Eckhardt Schmidt, Interviews mit Darstellern, Kameramann und Filmexperten, entfallene Szenen und anderes mehr. Im Booklet findet man einen Text des Regisseurs zur Entstehung des Films, einen vertiefenden Text des Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger, sowie ein Regisseurs-Interview, das dieser 1996 für „Splatting Image“ führte. 

„Laurin“, Regie: Robert Sigl, Bundesrepublik Deutschland 1989, 84 Minuten (ungekürzte Fassung),  im Kino und zugleich DVD und Blu-Ray bei Bildstörung

07. 06. 2020

Robert Sigl's LAURIN in France - by prestige label "Le Chat qui fume"

LIMITED EDITION OF 1000 COPIES.


TECHNICAL:
• 1 BLURAY - 1 DVD
• BLURAY: English in DTS 2.0
• DVD: English in Dolby Digital 2.0
• Subtitles: French
• Zone All

SUMMARY : March 1901, in a German port village, Laurin, aged twelve, hears the cry for help, at nightfall, of a little boy whom she sees, from her window, being kidnapped by an adult. During the same night, Flora, Laurin's mother, sees on a bridge the inert body of the little boy and the face of his assassin; we find her dead in the morning, her body lying at the bottom of the bridge. With the father of Laurin, a sailor, being often absent, the little girl, plagued by strange visions, is now entrusted to her grandmother. She soon befriends a classmate, Stefan, who in turn disappears. A killer of children prowls around, and Laurin's curiosity puts her in great danger ...

ABOUT THE FILM :For his first feature film, Robert Sigl produced a true masterpiece, a fantastic tale whose atmosphere evokes the stories of Perrault or the Grimm brothers. Benefiting from a sublime photograph, Laurin summons through his images certain great masters of painting, from John Constable to Caspar Friedrich, via Brueghel. Without resorting to special effects, the director favors the atmosphere and the mystery, with this nature seeming to conceal dangers and secrets, and this village under the influence of traditions and religion. Thirty years after its release, Laurin remains a unique, timeless and wonderful work.


07. 06. 2020

von Rüdiger Suchsland

https://out-takes.de/2020/gedanken-in-der-pandemie-14-abstand-und-anstand/

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